Lesetipp: Da gewöhnze dich dran. Wie ich mein Herz an den Pott verlor


Frau Nessy von Draußen nur Kännchen hat ein Buch geschrieben. Es geht darum, wie sie ihre Liebe zum Ruhrgebiet entdeckt. Ich habe oftmals laut gelacht, kurz geweint und das Buch an einem Tag durchgelesen.

Vanessa Giese: Da gewöhnze dich dran. Wie ich mein Herz an den Pott verlor

Inhalt

In 2010 zieht Nessy nach Dortmund. Sie braucht eine Luftveränderung, nachdem sie sich von ihrem Freund getrennt hat, den ihre Mutter ja ach so gern als Schwiegersohn gehabt hätte. Nessy stammt aus dem beschaulichen Sauerland. Bei der Wohnungssuche entscheidet sie sich schließlich für eine Dachgeschosswohnung in Dortmund-Hörde.

Neuer Job, neue Wohnung, neue Nachbarn. Letztere, nämlich Schmidtchens aus dem Erdgeschoss, schneien beim Umzug vorbei, um einen Pott Erbsensuppe zu überreichen, damit die Helfer ordentlich was auf den Löffel bekommen. In Zukunft werden die beiden ein Auge auf ihr „Etteken“ haben, wie sie Nessy liebevoll nennen. Nachbarschaftshilfe vom Allerfeinsten.

Im neuen Job stößt Nessy auf freundliche und gleichzeitig drollige Kollegen. Da ist Melanie, die über ihre Männergeschichten ein eigenes Buch schreiben könnte. Sie teilt ihre Erlebnisse sehr gern mit ihrer neuen Kollegin. Und dann ist da auch noch das Eichhörnchen, Thorsten, dessen Schwester Handball spielt.

Handball ist die Leidenschaft von Nessy und nachdem sie bei einem Sonntagsausflug auf der gesperrten A40 Thorstens Schwester Katrin kennengelernt hat, entschließt sie sich zum Probetraining zu gehen. Die Mädels der Mannschaft nehmen sie sehr herzlich in ihren Kreis auf, mit der Warnung: „Eins musst du wissen, bevor du unterschreibst, […]. Wir sind ein bisschen asi.“

Last but not least hat das Ruhrgebiet für die Single-Nessy auch noch interessante Männer zu bieten. Ob es diese ganz speziellen Exemplare jetzt nur im Pott gibt, mag dahingestellt sein, nichts desto trotz verliebt sie sich in ihre Internetbekanntschaft BVBjörn.

Nessy scheint in ihrer neuen Heimat angekommen zu sein. Doch wo Sonne ist, ist auch Schatten und nach ihrem ersten halben Jahr, sieht ihre Welt plötzlich nicht mehr ganz so rosig aus.

Das Buch ist …

… total lustig und authentisch. Mir ist es ebenso ergangen, wie Nessy, ich bin auch eine Zugezogene in den Pott. Die Menschen im Ruhrgebiet sind ein ganz eigenes Völkchen. Hart, aber herzlich, wie ich immer zu sagen pflege. Ich habe bereits auf den ersten Seiten des Buches angefangen zu kichern, da die Dialoge mit den Pottlern in feinstem Ruhrgebietsdeutsch verfasst sind. Und es stimmt einfach, die Menschen reden hier so. Punkt. Weil mich die Sprache begeistert, hier zwei Textproben:

„Küche kannze haben […] ohne Abstand odda sonstige Zahlungen. Is von Werner. Der musste Hals über Kopp hier raus, frach mich nich, der hatte irgendwas anne Hacken.“ – Der zukünftige Vermieter beim Besichtigungstermin der neuen Wohnung.

„Ers ma hamm wa nur geknutscht. […] Dann hamm wa’s gemacht. Ich sach dir, der ging ab! Wie ’ne Nähmaschine!“ – Melanie berichtet über eine Liebschaft des Wochenendes.

Neben diesen wunderbaren Sätzen finden sich noch unglaublich viele andere, über die ich mich amüsiert habe. Auch die Sprache des Sauerlandes ist mir vertraut, die die Figuren aus Nessys Heimat sprechen. Ganz wunderbar findet sich hier an fast jedem Satz ein „woll“ am Ende. Herrlich.

Ein wenig Pipi inne Augen, wie Frau Schöner es bereits formulierte, hatte ich auch, denn wie im echten Leben gibt es in diesem Buch nicht nur Sonnenseiten. Ich möchte nicht zuviel verraten und lasse an der Stelle wieder eine Textstelle sprechen: „Dat Schlimmste is, dat ich gewusst hab, dat se stirbt. […] dat war nich nur das Schlimmste, dat war auch dat Schönste. Weil ich ihr adieu sagen konnte.“ Schnief.

Lesen oder Lassen?

Wer das Ruhrgebiet und die Sprache der Menschen mag, der sollte das Buch auf jeden Fall lesen. Eine ordentliche Portion Lokalkolorit ist eben nicht jedermanns Sache. Wer auf der Suche nach einem absolut kurzweiligen Buch, mit guter Kapitellänge ist, der sollte das Buch auch lesen. Ach, eigentlich sollten alle dieses Buch lesen, weil es toll ist. Weil es witzig ist. Weil es Herz hat, ein großes Herz.

Wer, wie ich, das Buch schon gelesen hat, dem sei der Blog von Frau Nessy (die von sich selbst sagt,  „Nessy ist 50 Prozent ich und zu 50 Prozent erfunden“) hiermit wärmstens ans Herz gelegt. Ich freue mich schon auf weitere Geschichten rund um das Ghettonetto oder die Bildungsbandscheibe. Weitere Rezensionen gibt es von Anne Schüßler und Charlotte Jahnz.

Das Buch ist in einer Taschenbuch-Ausgabe erschienen und kostet 9,99 Euro. In der Kindle-Ausgabe kostet das Buch ebenfalls 9,99 Euro.

Ich schließe diesen Beitrag nun mit einem Zitat:
„So is dat: Mal hasse Sonne, mal hasse Regen. Gewöhnze dich dran. […] „

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Bei den Links zu den einzelnen Büchern handelt es sich um Affiliate Links. Ich finde das sehr praktisch, wenn man direkt zum richtigen Buch geführt wird und nicht erst lang suchen muss.
Kann man mögen, muss man aber nicht.
;-)

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5 Gedanken zu “Lesetipp: Da gewöhnze dich dran. Wie ich mein Herz an den Pott verlor

  1. Pingback: Frau Doreen hat gelesen | Draußen nur Kännchen

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