Lesetipp: Der dunkle Thron

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Rebecca Gable: Der dunkle Thron

Inhalt

Nicholas of Waringham kehrt nach einigen Jahren in einer katholischen Schule zurück in seine Heimat. Dort trifft er nicht nur auf seinen, der Reform der Kirche aufgeschlossenen Vater, sondern auch auf seine ungeliebte Stiefmutter und Stiefschwester. Die Mutter von Nick, wie er von allen genannt wird, ist früh gestorben. Nach der Trauerzeit hat sein Vater eine Frau aus der Howard-Sippe geheiratet, die Nick und seiner Schwester fortan das Leben zur Hölle gemacht hat. Die Kindheit der beiden Geschwister ist alles andere als rosig gewesen.

Nick kehrt mit dem Auftrag zurück, seinem Vater ins Gewissen zu reden und ihn von der falschen Glaubensrichtung, wie es strenggläubige Katholiken nennen, abzubringen. Dies gestaltet sich natürlich alles andere als einfach.

Nicks Vater ist vor vielen Jahren beim König Heinrich VIII. in Ungnade gefallen und seine verbliebenen Freunde fürchten nun, dass er noch weiter abrutschen und gar sein Land und somit Nicks Heimat verlieren könnte. Die genauen Gründe, warum sein Vater in Ungnade gefallen ist, sind ihm unbekannt und sein Vater spricht nicht mit ihm darüber.

Der amtierende Lord of Waringham ist der Wissenschaft sehr zugetan und er kümmert sich nur wenig um sein Lehen. Dies hat zur Folge, dass die Kassen leer sind und der Verwalter frei schalten und walten kann. Bei seiner Rückkehr bemerkt Nick die Missstände, ihm sind aber weitgehend die Hände gebunden, da er nicht der Lord und somit der Inhaber der Macht ist.

Schließlich gelingt es Nick mit seinem Vater einen Pakt zu schließen. Der Inhalt: Sein Vater muss alle ketzerischen Bücher verbannen, auch eine der ersten Ausgaben der Bibel in englischer Sprache, im Gegenzug verpflichtet sich Nick freundlich zu seiner Stiefmutter und Stiefschwester zu sein, egal wie sehr sie ihn auch drangsalieren.

In diesen wackeligen Frieden platzen eines Abends die Schergen des mächtigsten Bishofs von England und verhaften Nicks Vater. Der Vorwurf: Ketzerei. Ab diesem Abend beginnt für Nick und seine Familie eine ungewisse Zukunft, die Höhen und Tiefen für alle bereit hält.

Das Buch ist …

… wie nicht anders erwartet großartig. Rebecca Gable gehört zu meinen Lieblingsautoren. Sie schreibt mit Pfiff, ihre Handlungen nehmen überraschende Wendungen und letztlich geht mir beim Lesen sehr oft das Herz auf. Was ich sehr schätze ist, dass sie immer eine komplette Lebensgeschichte der Hauptfigur erzählt. Ich denke, genau dies macht die Bücher so reizvoll.

Die Autorin hat vor vielen Jahren angefangen Bücher rund um das englische Königshaus zu schreiben. Ihre Hauptfiguren stehen mal mehr, mal weniger dem Königshaus nah, stammen aber immer aus der Waringham-Familie. Die Waringshams haben, glaube ich, im ersten Buch ein Lehen vom König erhalten, wo sie ein Gestüt errichtet haben. Man muss wissen, dass in dieser Familie eine Gabe vererbt wird, die den Mitgliedern die Kommunikation mit Pferden erleichtert, was die Pferdezucht letztlich so erfolgreich macht. Okay, das klingt jetzt sehr an den Haaren herbeigezogen, verleiht den Hauptfiguren aber immer das gewisse Etwas.

Der aktuelle Roman um die Waringham-Saga spielt zur Zeit von Heinrich VIII. Bei Geschichtskennern klingelt es sicher jetzt. Der Heinrich ist der König mit den meisten Frauen in der englischen Geschichte. Es gibt sowas wie einen Spruch zu den Frauen Heinrichs: geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, gestorben. Bin da nicht sicher, wie der genaue Wortlaut war, auf jeden Fall orientiert sich die Aufzählung anhand der Trennungsart der Frauen von ihrem Ehemann.

Zur damaligen Zeit waren Scheidungen noch nicht an der Tagesordnung und Heinrich stand vor dem Problem, dass er seine erste Ehefrau loswerden musste, damit er eine andere heiraten konnte. Schließlich hat er die englische Kirche vom Rest der katholischen Welt abgespalten, sich selbst zum Oberhaupt der Kirche erklärt und da er dann Papst und König in einer Person war, konnte er sich selbst erlauben, sich von einer Frau scheiden zu lassen. Interessant ist, dass diese abgespaltete Kirche noch heute bestand in England hat, quasi ein Relikt aus dem Mittelalter.

Heinrich VIII. hat verzweifelt versucht einen männlichen Erben zu zeugen, dem er sein Reich vererben wollte. Dabei hat die Zeit gegen ihn gespielt, da er immer älter und dicker und gebrechlicher geworden ist. Sein Vorhaben hat letztlich hingehauen, allerdings war sein Sohn ein schwacher Herrscher und letztlich ist eine seiner Töchter in die Geschichte eingegangen, nämlich Elisabeth I.

Ich schweife ab. Zurück zum Buch.

Die Handlung spielt also zur Zeit von Heinrich VIII., viele Köpfe rollen, Intrigen werden gesponnen, Menschen geraten unter Verdacht und dann sind da auch noch die sogenannten Reformer, die das Verhalten von Priestern und Bischöfen der Kirche sowie den Ablasshandel anprangern. Wir kennen diese Reformer heute als Evangelische Kirche. Das ist jetzt alles sehr vereinfacht dargestellt, ich weiß, aber manche geschichtlichen Dinge kann man auch mit einfachen Worten erklären, finde ich. Wen die einzelnen Vorgänge genauer interessieren, der sollte sie an einer anderen Stelle nachlesen.

Um all diese geschichtlichen Fakten hat Rebecca Gable eine spannende und zu Herzen gehende Geschichte gesponnen. Ein Lesespaß für jeden Fan des englischen Miitelaters.

Lesen oder Lassen?

Wie sich der geneigte Leser sicher schon denken kann: Lesen. Unbedingt. Ich kann das Buch nur empfehlen. Auch muss man die Vorgeschichte nicht kennen, um das Buch zu verstehen. Sicher, es gibt einige Anspielungen auf frühere Romanfiguren oder Handlungen, die sind aber eigenständig erklärt, dass es kein Vorwissen erfordert, dieses Buch zu verstehen. Mir haben diese Anspielungen immer ein Grinsen entlockt, weil ich die anderen Bücher kenne, aber wie bereits gesagt, das ist kein Muss.

Wer historische Romane mag, diese besondere Flair des Mittelalters sich vorzustellen vermag, der sollte auf jeden Fall ein Buch von Rebecca Gable lesen. Die Autorin kann ich uneingeschränkt empfehlen.

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